Jingo De Lunch

Yvonne Ducksworth (Gesang), Joseph Ehrensberger (Gitarre), Tom Schwoll (Gitarre), Henning Menke (Bass) und Steve Hahn (Schlagzeug) gründen 1987 die Band in Berlin. Zuvor waren die einzelnen Mitglieder in diversen anderen Combos aktiv.

Sängerin Yvonne stammt eigentlich aus Kanada. Sie verschlägt es als Teenager nach Deutschland, als ihre Familie nach Frankfurt zieht. Bald nach dem Wohnortwechsel fliegt sie jedoch zu Hause raus und zieht nach Berlin.

Die Band verschreibt sich einem eigenwilligen Stilmix aus Hardcore, Punk, Metal und Rock. Schon von Beginn an, mit dem ersten Lebenszeichen, einer Flexi-Disc-Beilage des Trust-Fanzines, sorgen Jingo im bundesdeutschen Blätterwald für gehöriges Rauschen. Da ist etwas im Anmarsch, das es in dieser Zusammensetzung bislang noch nicht gab.

Die Live-Power, die das Quintett auf die Bretter bringt, ist dafür verantwortlich, dass ihnen schon von Beginn an ein fast legendärer Ruf voraus eilt. Die Geschwindigkeit, mit der Jingo De Lunch nach Bandgründung ihre Ouputs unters Volk bringen, ist kaum fassbar. Nach einer lächerlichen Zeitspanne von drei Monaten ist das Songmaterial für das Debüt-Album „Perpetuum Mobile“ im Kasten, das Einspielen inklusive Mix dauert gerade einmal sieben Tage. In dieser Zeit bekommen es Bands wie Metallica eventuell gebacken, den Drumsound für die Demo-Aufnahmen einzustellen.

Schon kurz darauf geht es an die Aufnahmen zu Album Nummer zwei, „Axe To Grind“. Dieses klingt schon um einiges professioneller, kompakter und besser produziert als das Debüt, das noch mit sehr heißer Nadel gestrickt wurde. Jingo De Lunch verlassen die Indie-Umgebung und wechseln zum Major Phonogram, wo wiederum nur ein Jahr nach der letzten Veröffentlichung „Underdog“ erscheint.

Auch mit dieser Scheibe festigen sie ihren Ruf als musikalische Nonkonformisten. Kommerziell zahlt sich der Wechsel zur Industrie aber kaum aus. Nach wie vor fristen sie eher ein Dasein als liebgewonnene Indie-Heroen, als dass der große Durchbruch käme. Mit „B.Y.E“ legen Jingo – und behalten damit ihren Jahresrhythmus bei – das erste Mal ein Album vor, das eher skeptisch beäugt wird. Zwar ergattern sie mit diesem Album diverse Support-Slots für Größen wie die Ramones, ihren persönlichen Helden der Bad Brains und Motörhead und waren sogar Headliner bei der Osterrocknacht in Düsseldorf (mit NOFX), aber so richtig kommt der Zug nie ins Rollen.

1994 erscheint „Deja Voodoo“, mit dem sie einie Zeit lang auf Tour sind und sogar von den Toten Hosen eingeladen werden, einige Support-Shows zu bestreiten. Gitarrist Tom verlässt die Band und heuert bei Extrabreit an. Der Rest der Truppe muckert noch ein wenig rum, wirft den Brocken aber schließlich 1997 hin.

Yvonne zieht in die USA um, Tom ist in verschiedenen anderen Bands aktiv, Steve Hahn wird Drum-Roadie bei den Toten Hosen, Henning Menke steigt bei Skew Siskin ein. Der Kontakt zwischen den alten Kumpels reißt aber nie ganz ab, dem Internet sei Dank. So bekommen die Musiker auch mit, dass es nach wie vor Fans rund um den Globus gibt, die sich wünschen, die Combo würde wieder zusammen auf der Bühne stehen.

2006 ist es dann doch wieder so weit: Zwei Konzerte in Berlin stehen auf dem Programm.  Ein Jahr später folgt eine etwas ausgedehntere Tour und „Land Of The Free-ks“, das 2010 über Noisolution erscheint.

Für Tom  und Sepp steht mittlerweile Gary Schmalzl an den sechs Saiten. Das Comeback verläuft triumphal, was man auch auf der ein Jahr später erscheinenden ersten Live-Platte „Live In Kreuzberg“  nachhören kann.

Jingo De Lunch lösen sich 2012 auf.