The Animen

Weit entfernt von hippen Styles und Trends, packen THE ANIMEN kratzigen Soul, 60’s Pop-Appeal und Rock in groovige Vintage-Sounds. Ihr brilliantes Debüt “Hi!” überraschte 2014 als Import Viele und heimste große Anerkennung ein. Seither quengeln die vier Schweizer aus Carouge – einem Vorort von Genf – auf Noisolution ungeduldig von der Rückbank “Are We There Yet?” – “Noch nicht da, wo ihr hingehört… Gleich”, beruhigen wir, “Wir sind auf dem besten Weg.” Gäbe es noch die Kunst des Mixtapes, hätten zahlreiche Romeos ihren Julias die Songs der neuen Platte auf Chrom-Tapes kopiert und die Welt wäre eine bessere.

 

Um sie einzuordnen, wurden schon beim Debüt zahlreiche dieser Band-Vergleiche aus dem Journalisten-Hut gezaubert. Die Retro-Schublade wurde weit geöffnet und wahlweise mit Soul, 60’s Rock, Garage-Rock oder kratzigem Country-Vibes beschriftet. Seit aber Retro der heiße Scheiß ist und es allen Ortes mit Vollgas zurück in die Zukunft geht, ist dies nicht immer ein Zeichen für Originalität. Doch THE ANIMEN entkommen dem Vorwurf mit Leichtigkeit.

 

Ohrwürmer mit Außenseiter-Charme

 

Sie verstehen es, grandiose Songs zu schreiben, ihre Hörer zu umgarnen und einen Ohrwurm nach dem Nächsten unterzujubeln. Stets schnoddrig hingeworfen, voller Brüche und offener Wunden. Windschiefes Hit-Potential galore mit diesem gewissen Außenseiter-Charme. Bei all dem glimmenden Pop-Appeal bleibt aber stets auch die Schwarz-Weiß-Ästhetik und ein Hang zum Understatement.

 

Dunkel-düster, zeitgemäß und ehrlich

 

THE ANIMEN setzen sich nicht zuletzt durch Théo Wysers Stimme und seine dunkel-düsteren Geschichten ab. Sie bleiben stets wiedererkennbar. Liebe, Trennung, Einsamkeit: Sind dies nicht die Themen großer Rocksongs? Und letztlich die Erkenntnis “I need more than a drop of Alcohol”. Die Gefühlswelt Théo Wysers möchte man ungern teilen und gleichzeitig zieht sie einen tief in die Songs. Persönlich, verwundbar und “echt”. Ehrlich in Aussage, Stil und Sound. Aus der Zeit gefallen und doch hipper und zeitgemäßer als viele dieser nach Bartpflegemittel duftenden Szene-Rolemodels. Mehr Künstler als Popstar. Mehr 90’ies Tape als Spotify.